Italien Reise Tipps für Liebhaber und Genießer

andere Reisländer
Bildarchiv online
Südtirol / Trentino
Venedig / Veneto / Friaul
Mailand / Lombardei
Lago Maggiore
Piemont
Turin
Genua / Ligurien
Bologna / Emilia Romagna
Florenz / Toskana
Umbrien / Marken
Rom / Latium
Neapel / Kampanien
Abruzzen / Molise / Apulien
Basilicata / Kalabrien
Sizilien
Sardinien
Newsletter
FineArt Galerie
Pressespiegel
Mediadaten / pubblicita  italiano
Liebhaberreisen.de
Follow us on Twitter
© Alle Texte und Bilder unterliegen dem Copyright, jede unlizensierte Nutzung wird verfolgt!
Abbildungen zu Rezensionen mit freundlicher Genehmigung der Verlage oder Autoren gewährt.
corbis-Bilder sind als corbis/Karl-Heinz Haenel © lizensiert und zur Nutzung bei corbis abrufbar.
fotolia-Bilder dieser Website sind von fotolia lizensiert und zur Nutzung bei fotolia abrufbar.
Dieses Bild durch anklicken ganz einfach sofort für Ihre Nutzung, PR oder Werbung online kaufen und down loaden.

Für aktuellste Beiträge schauen Sie bitte in meinen Blog Twittern

Printmedien der Reisebranche haben es nicht mehr leicht, sich beim Leser zu behaupten. Online-Medien sind der Trend. Allein auf der ITB Berlin 2013 hatten sich 250 Reise-Blogger aus aller Welt akkreditiert und berichteten zeitnah. Seit Anfang des Jahres bedient nun mein Blog den Wissensdurst rund ums Reisen. Persönliche Erfahrungen, Gastronomie- und Hotel-Tipps, News u. Pressemeldungen sowie Inspirationen und Reiseführer, jetzt auch per Suchwort schnell zu finden im: blog.Liebhaberreisen.de
Lesen Sie auch meine Artikel in der Huffington Post Deutschland


10 Tage Reiseskizzen - oder: Die Realität von organisierten Busreisen

Trübes Grau am Himmel, es nieselt. An der Bushaltestelle eine Schar recht munter erscheinender Menschen. Begrüßungen. Man kennt sich. Als mitreisender „Fremdling“ geselle ich mich dazu. Es ist meine erste Busreise. Ich beobachte und lerne dabei bisher unbekannte Reiserituale kennen. Jemand hat, einem aufmerksamem Gastgeber gleich, vorgedacht (wer zu wem, wohin) und einen Sitzplan erstellt. Man wird also „platziert“. Demnach: keine Schlacht um beste Plätze. Merke: ab jetzt wird für Dich gedacht, geplant, organisiert – Du kannst Dich also getrost zurücklehnen. Sehr ungewohnt!

Eine erste, ein wenig ungelenke Konversation mit der Sitznachbarin. Wortkarg sind wir beide, es ist schließlich noch früh am Morgen. Über den Buslautsprecher (eine sicher hilfreiche, öfters aber auch plagende Einrichtung, vor der es, wie sich später herausstellt, kaum ein Entrinnen gibt) wird eine erste Rast mit Frühstück in Aussicht gestellt. Die gute Reiseleitungsfee hat an alles gedacht: Schmalzbrote, Käse und Kaffee. Himmel und Gemüter hellen sich auf. Weiter geht's in Richtung Süden. Zwischendurch immer mal ein kleiner, immer wiederkehrender Kampf mit der Tücke des Objekts: wohin mit dem hellblauen Keramik-Kaffeebecher, den ich die ganze Reise über bewahren und -nutzen soll? Aus dem Netz vor mir, wo die Getränkekarte des Bordservice sich sperrig breit macht und deshalb Lesebrille, Zeitschrift oder Buch kaum mehr hineinpassen, schnellt das Teil wie ein Katapult heraus. Problemchen, aber der Wagen, der rollt...

Ab Bregenz steigt die Ferienlaune: strahlende Sonne und dann die grandiose Berglandschaft rund um den San Bernadino-Pass. Ein immerwieder merkwürdiges Phänomen stellt sich auch hier wieder ein. Gleich nach der deutschen Grenze merkt man – woran eigentlich?-, dass man in der Schweiz ist, und kaum hat man das Eidgenossenland verlassen, sieht alles italienisch aus. Und das alles nicht etwa wegen unterschiedlicher Straßenschilder, Werbeplakaten oder Häuserfronten. Selbst dem flüchtig Durchreisenden vermitteln sich urplötzlich die Atmosphäre, die Eigenheiten des jeweiligen Landes. Nach zwölf Stunden Fahrt noch einige Kurven durch und um Albavilla gedreht bis die Hotelvorfahrt schlußendlich gelingt. Abendessen, danach im Konferenzraum eine Vorstellungsrunde mit Gesellschaftsspielchen: ich sage Euch, wer ich bin und reiche die Sektflasche an denjenigen weiter, auf den ich am neugierigsten bin, oder dann gegen Schluß einfach an den, der noch nicht dran war. Kopfrechnen auf die Schnelle, oh je: 35 Leute, jeder hat maximal 1‘30“ und Sekteingießen braucht auch seine Zeit. Am Ende bin ich beschwipst, habe Namen und Reisebeweggründe schon wieder vergessen und falle mit der Erkenntnis, dass es ein nettes und notwendiges Beisammensein war, todmüde ins Bett.

Mailand – damit verbindet man gemeinhin Mode und Eleganz. Die nüchterne Realität  sieht anders aus: kilometerweit häßliche Industrievorstädte, am Wochenende noch öder wirkend. Fade Autobahn, Zeit für Gespräche, heute kennen wir uns schon ein bisschen besser. Dann endlich die vertraute Landschaft der Toskana. Zu dieser Jahreszeit habe ich sie noch nie gesehen: die Hügel alle noch grün, rote Mohnblumenfelder, gelber Ginster, stahlblauer Himmel mit weissen Wölkchen – Natur im Postkartenkitschkleid. Endlich am Reiseziel! Früh am Morgen schnell noch mal in die akribisch ausgearbeiteteI nformationsmappe geschaut und das dicht gedrängte Tagesprogramm repetiert:

Bagnaia und Bomarzo. Ab jetzt wird Wissen aktiviert und vermehrt. Wie war das noch mit Natur und Kunst zur Zeit der Renaissance? Damals jedenfalls führten Päpste ein weltzugewandteres Leben mit mancherlei irdischen Vergnügungen. Innerhalb von 72 Jahren 10 Päpste und jedes Pontifikat hat maßgebliche Spuren hinterlassen, politisch wie kunsthistorisch.

An diesem frühen Sonntagmorgen gehört die Gartenanlage der Villa Lante uns fast allein: Labyrinthhecken, im ansteigenden Garten Venus -, Neptun- und Musengrotten, Rhododendronbüsche blühen in allen Farben, Vogelgezwitscher, ein leichter Wind, alles duftet frisch –domestizierte Natur, akkurat gestaltet. Jenseits der Mauern ein öffentlicher Pinienpark. Familien im Sonntagsstaat posieren für Kommunionfotos. Unten auf der Piazza hatten wir die fein ausstaffierten Kinder stolz in die Kirche gehen sehen. Ein Schauspiel aus dem Leben, das länger zu betrachten sich gelohnt hätte. Aber der Parco dei Mostri wartet auf uns.

Bomarzo scheint das Familiensonntagsausflugsziel zu ein. Der Parkplatz übervoll, Schlangen an der Kasse. Wäre ich allein hergekommen, ich hätte auf dem Absatz kehrt gemacht. Aber „per aspera ad astra“: hinter dem Selbstbedienungsrestaurant mit Flippergeräten und ausgedehnten Spielplatzanlagen mit Streichelzoo verteilen sich die Menschenmassen. Ein merkwürdig gespaltener Mensch muß dieser Vicino Orsini gewesen sein: in seinem „heiligen Wald“ verbergen sich kunsthistorische Rätsel, die sich mir ohne die sachkundige Führung nie entschlüsselt hätten. Die gesamte Antike, ihre Mystik und eine am Ende dann doch sehr versöhnliche Weltanschauung tun sich hier auf, Stoff für ein ganzes Semester! Mir ist das einfach alles zu viel. Es sollte auf eine Nachbearbeitungsliste. Fragt sich nur, wann dafür später Zeit sein wird, und ob ich Francesco Colonnas „Hypnerotomachia Poliphili“ mir wirklich jemals zu Gemüte führen werde.

Pienza. Der nächste Tag verspricht ein wenig Erholung fürs Hirn und Labung für die Rotweinseele. Besuch in der Geburtsstadt des in Frankfurt am Main zum Dichterfürsten gekrönten Papst Pius II., im malerisch am Hügel gelegenen Städtchen Pienza. Beim Rundgang um die Stadtmauer traumhafte Aussichten! In der für die Gegend untypischen Kathedrale umschleicht uns ein Fotograf, mit dem wir auf der Piazza dann ins Gespräch kommen. Ein junger Herr aus Kiel, für GEO unterwegs und für das Herbst Sonderheft „Toskana“ schon seit früh morgens um sechs auf Motivpirsch. Visitenkartentausch: er würde sich über ein feed back freuen. Also: im Herbst dran denken – GEO kaufen.

Montalcino: mezzo giorno, alles still. Der Spaziergang durch die Stadt führt geradewegs in das „Caffe Fiaschetteria“ im Stil der Jahrhundertwende. Im Nebenraum bis hoch an die Decke aufalten Holzregalen Flaschen edelsten Inhalts: Brunello di Montalcino in allen nur denkbaren Jahrgängen und Preislagen! Ein Paradies für Weinliebhaber. So einer Versuchung kann ich dann doch nichtwiderstehen. Italiener haben eben doch Sinn fürs Wesentliche: Lorenzo di Giglio hat uns an diesem Tag die Überraschung der Reise beschert: während wir noch durch Pienza schlenderten, hat er für uns alle eingekauft: panini al prosciutto, pecorino und vino rosso. Eine tolle Idee für ein ganz wundervoll improvisiertes Picknick am Waldrand. Wir sind alle sind begeistert und auch ein bisschen beschämt, ob dieser schönen Geste italienischer Gastfreundschaft. erührt, gesättigt und beschwingt machen wir uns auf den Weg zum

Monte Oliveto Maggiore. Im Kreuzgang des Klosters guterhaltene Fresken, Zeugnisse früher Landschaftsmalerei mit Szenen aus dem Leben des Hl.Benedikt. Wir verplaudern uns mit dem Klosterbruder, der uns noch die Bibliothek aufsperren möchte, nicht etwa, weil sie Extraordinäres zu bieten hätte, sondern eher, wie sich dann herausstellt, um noch Bares für die kleine Gefälligkeit einzusammeln. Zur Weinprobe vor den Toren von Montepulciano kommen wir eine Stunde zu spät. Drei Weine zum Probieren, ein Vesperteller zum Verzehr. Man merkt es schnell,  die Gastgeber sind auf Touristengruppen bestens eingerichtet. Eine freudlose Mitarbeiterin chinesischer Abstammung hält ungeduldig die nächste Flasche in der Hand: trink schneller tedesco! Der Weg hinaus führt quer durch den Laden direkt zur Kasse ...

Nach Umbrien fahren wir am nächsten Tag, in das bei Montegiove gelegene ehemalige Franziskanerkloster „La Scarzuola“. Hier verspricht es für mich als Theaterfreak spannend zu werden, denn der Mailänder Architekt Tomaso Buzzi hat hier seine „ideale Stadt“ mit sieben Theatern gebaut. Buzzis Neffe führt uns wortreich aus allerlei chaotisch angeordneten Zetteln vorlesend durch die Anlage. Ein Disneyland für Esoteriker, reichlich abgehoben das Ganze, vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Die Vesper mit tramezzini, Wein und Musik stimmt ein wenig versöhnlich. Ich ziehe mich in den Klostergarten zurück: dort hört man nichts als Grillenzirpen, ansonsten ist es wunderbar still. Siesta. Ach doch, etwas sehr Positives fällt mir für diesen Ort noch ein: das Örtchen. Von allen bisher notgedrungen aufgesuchten, war das hier eindeutig das schönste: ein wenig abseits im Garten gelegen, ein kleines Häuschen unter Pinien, beidseitig begehbar mit Dusche, Kristallspiegel, duftender Seife und sauberen Frotteehandüchern. Dieser Luxus konnte auch in den darauf folgenden Tagen nicht mehr getoppt werden! Um das Land der warmen Quellen und Bäder auch von seiner balneologischen Seite kennen zu lernen, ist nachmittags ein gemeinsamer Besuch im Thermalbad angesagt. Wie schon erwähnt, ich habe vorerst mal genug von gruppendynamischen Prozessen. Nacheinem bald erledigten Rundgang durch das winzige San Casciano dei Bagni laden Bänke auf der menschenleeren Piazza zum Faulenzen ein. Zwei Stunden Nichtstun, in die Sonne blinzeln und aus der einzigen Bar am Platze ein Eis holen: so viel Muße ward mir bisher nicht vergönnt.

Seggiano, d.h. Spoerris Garten stand schon lange als Ziel auf meiner Reiseliste. Hier endlich habe ich meinen phantastischen Garten gefunden! Ein Skulpturenpark, in dem Kunstwerke und unberührte Natur in einen Dialog treten können. Hier finde ich gleich mehrere „Lieblingswerke“. Vor allem aber gefällt mir, dass sich hier alles nicht so kopflastig, klug gedacht, oder gar gewollt verschlüsselt darbietet, sondern viel Augenzwinkerndes, Ironisches, Spielerisches dabei ist. Und obendrein dann noch die kulinarischen Genüsse! Von den Kochkünsten der guten Seele des Giardino wurde schon im Vorfeld geschwärmt, aber sie übertrafen dann noch alle kulinarischen Erwartungen: einfach und doch raffiniert, ganz köstlich! Nur nicht an die häusliche Waage denken! Spoerri: ein Paradies in jeder Hinsicht! Am Abend zuvor hatten wir eine Videoaufzeichnung eines Fernsehportraits über Spoerri und sein Projekt angesehen, das nichts von dem vermittelte, was die meisten von uns jetzt begeistert. Einige von uns hatten nach Ansicht des Films nicht einmal mehr Lust nach Seggiano zu fahren. Wieder ein Beweis, wie sehr Fernsehen auch „ver“- bilden kann. Filmbilder können sich aber auch fest ins Gedächtnis einbrennen, wie zum Beispiel Bagno Vignoni mit dem „Swimmingpool“ von Pius II. direkt vor dem Palazzo. Hier hat der russische Regisseur Andreij Tarkowskij Passagen seines 1983 in Cannes preisgekrönten Films „Nostalghia“ gedreht. Eine Szene darin ist mir unvergeßlich: im Morgengrauen geht der alte Professor mit seinem Hund hier neben der dampfenden Therme, in der Kurgäste, eingetaucht bis zum Hals, im Schwefelwasser Heilung suchen. Sie alle seien nur nicht zum Sterben bereit, wollten ewig leben, erklärt der Alte dem hündischen Begleiter an seiner Seite. Ein in im Sinn des Wortes phantastischer Film.

Auf dem Weg nach Castiglione della Pescaia noch ein ganz außerordentliches Erlebnis: die Morgenmesse in der Abbazia di Sant’Antimo.

Durch die Rosette über dem Altar fällt das Licht der Sonnenstrahlen schräg auf den Altar, Mönche in ihren weißen Kutten, die Kapuzen tief über d die Stirngezogen, in Andacht versunken. Gregorianische Gesänge erfüllen den kargen romanischen Kirchenraum, Weihrauch vernebelt die Sinne. Eine unvergeßliche Stunde!

Endlich am Meer – und endlich auch mal ein ganzer freier Nachmittag! Ein Strandspaziergang im Mai am Mittelmeer – ob ich sowas schon mal gemacht habe? Ich erinnere mich nicht, genieße aber die Ruhe, die Sonne und den kühlen Wind auf der Haut und gehe – wohl zum Entsetzen der Italiener – ins Wasser. Schön ist’s und gar nicht sooo kalt, auch das ein bisher wohl einmaliges Erlebnis.

Vor dem Ristorante „Il Cacciatore“ (auch da wieder ein vorzügliches pranzo) knipse ich direkt neben der Hauptstraße „mein schönstes Ferienfoto“ , das rein gar nichts mit demThema unserer Reise zu tun hat.

Letztes Ziel: der Tarot - Garten der Niki de Saint Phalle. Schon in der Vorstellungsrunde am ersten Abend hatten viele erwähnt, sich besonders darauf zu freuen. Ich ahnte, dass ich mit diesem Garten wohl am wenigsten würde anfangen können. Sehr schrill, sehr bunt, viel Jahrmarkt, viel Eitles. Andre Heller hat in der Tiroler Swarowski Fabrik seine Art von Spiegelwelten entworfen. Ein wenig erinnert mich das alles hier daran. Die Geheimnisse des Tarot blieben mir bisher verschlossen, und es mangelt mir in diesem Fall auch an Neugier dahinter zu kommen.

Vielleicht habe ich auch einfach nur genug gesehen, gelernt, erlebt, gerochen, gegessen. Nun sind es Momente der Stille, der Erinnerungen, der assoziierten Parallelen aus Filmen, Kunst und Literatur, die ich in meinem Gedächtnis festschreiben möchte und nicht durchnoch weitere Außenreize irritiert wissen will.

Genug also! In dieser kurzen Zeit habe ich, haben wir viel Schönes gesehen und erlebt, einige nette Menschen kennengelernt, mit denen über die Reise hinaus Kontakt zu halten hoffentlich gelingen wird. Dazugewonnen habe ich die Einsicht, dass es in dieser, mir von vorherigen Reisen vermeintlich bekannten Gegend doch noch viel zuentdecken gibt. Am letzten Abend bietet man uns nach einem romantischen Abendessen bei Kerzenschein noch ein grandioses Schauspiel: ein Feuerwerk zum Abschied, das die Burg hoch oben über dem Gardasee und den vom vorangegangenen Gewitter sternklaren Nachthimmel bengalisch beleuchtet. Phantastisch! Ein kongenialer Abschluß für eine Reise zu den „Phantastischen Gärten Mittelitaliens“.

Civediamo, in Italia! zurück

Franziska Kutschera fkutschera@hr-online.de

Webdesign:
webdesign by - www.stechinsekt.de - kiel
paradies-italien.de