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Printmedien der Reisebranche haben es nicht mehr leicht, sich beim Leser zu behaupten. Online-Medien sind der Trend. Allein auf der ITB Berlin 2013 hatten sich 250 Reise-Blogger aus aller Welt akkreditiert und berichteten zeitnah. Seit Anfang des Jahres bedient nun mein Blog den Wissensdurst rund ums Reisen. Persönliche Erfahrungen, Gastronomie- und Hotel-Tipps, News u. Pressemeldungen sowie Inspirationen und Reiseführer, jetzt auch per Suchwort schnell zu finden im: blog.Liebhaberreisen.de
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Kornelia Stinn - Copyright Winfried StinnDie freie Journalisten Kornelia Stinn

Hier lesen Sie Reportagen der Journalistin Kornelia Stinn, Jahrgang 1955. Ihre Schwerpunktthemen sind Reisen, Natur und Kultur. Ihre Veröffentlichungen erscheinen in Tageszeitungen und Zeitschriften im In-und Ausland. Dazu zählen die Taz, die Badische Zeitung, die Badischen Neuesten Nachrichten, die Kölner Rundschau, der Weser-Kurier, die Berner Zeitung, die Zeitschriften Alpin, Land der Berge, Land und Meer, Freiheit für Tiere und Wanderland Schweiz.

Komplette Reportagen, Fotos und Information via: stinn@t-online.de


Seit 1986 kreisen die Bartgeier wieder über dem Martelltal

Im Alpenraum wieder angesiedelt, verdrängt der stattliche Vogel den Adler von seinem Thron und übernimmt wieder die Rolle des Königs der Lüfte. Dehnt er doch sein Revier auf bis zu 400 qkm aus und weist eine Flügelspannweite bis zu 2,80 m auf! Das abgeschiedene Martelltal bietet mit seinen Felsen und Schluchten dem Bartgeier ideale Voraussetzungen. Im benachbarten Schweizer Nationalpark ausgesetzte Paare hatte es schon zuvor hierher gezogen. Auf diese Weise aufmerksam geworden, beschloss man, den friedlichen Greifvögeln, die im Alpenraum ausgerottet waren, auch hier einen neuen Start in die Freiheit zu ermöglichen.

Weiter: Und es war ein großes Fest in dem ruhigen Tal, als die Mitarbeiter des Nationalparks sich die Rückentrage aufschnallten, um darin die Tiere von Stallwies aus zur Horstnische ins Schludertal zu transportieren. Viele Bewohner der kleinen Ortschaften nahmen daran Anteil und begleiteten die Vögel in einer regelrechten Prozession. Man lebt hier mit der Natur in Tuchfühlung, ist abhängig von ihr. Sicher kann man sagen, dass die Aussetzung der Bartgeier, die bereits mehrfach im Martelltal erfolgte, hier zu den ganz großen Ereignissen gehört. Da macht es Sinn, ein wenig einzutauchen in die Geschichte und die ganz außergewöhnlichen Besonderheiten dieses Tales am Rande der Zeit. Besonderheiten, die gerade dem Bartgeier so sympathisch zu sein scheinen.


„Süßes Salz“- Cervia und die Geschichte seiner Salinen

140.000 Sonnenschirme und doppelt so viele Liegestühle postieren sich noch Sommer für Sommer entlang der italienischen Adriaküste. Wer mit dem Schiff die Küste zwischen Ravenna und Rimini abfährt, findet die Abwechslung vor allem in den wechselnden Farben der Bezüge. Begibt man sich aber jenseits der ewig gleichen Badestrände und Clubs auf eine Entdeckungsreise, bilden sich plötzlich aus eintöniger Gleichförmigkeit spannende Konturen heraus. Spuren werden sichtbar, die das Leben der Menschen seit Jahrhunderten prägten. Die Natur bringt sich ins Spiel, in einer Weise, wie man es so kaum woanders sieht.

Weiter: Die Landschaft im Po-Delta etwa erzählt dem aufmerksamen Beobachter eine ganz besondere Geschichte. Es ist die Geschichte des weißen Goldes – des Salzes. In Cervia kann man auf den Spuren der Vergangenheit unterwegs sein und diese eindrücklich erleben. Die heiße Mittelmeer-Sonne brennt herab auf den knackig braunen Rücken von Africo Corridonzi. Überhaupt ist Africo rundum sommersonnenbraun. Nur den Kopf, den schützt er mit einer schneeweißen Kappe, wenn er inmitten der 43 Wasserbecken steht, die zur alten Saline von Cervia gehören. Von einander getrennt durch schmale Pfade, sind sie, gleich einem Schachbrettmuster, ordentlich aufgereiht. Mit dem „Ghevar“, einem langstieligen Holzwerkzeug schiebt Africo das Salz im letzten Becken zusammen. Dann füllt er die weiße kristallisierte Masse in eine „Panira“, einen Holzkorb. Den leert er anschließend in einen Karren um. Wenn der voll ist, wird das Salz zu einem immer höher anwachsenden „Salzberg“ transportiert. Hier trocknet es bis September und wird dann eingelagert. Das feiert man in Cervia mit einem großen Fest. Rein und weiß wie frischgefallener Schnee scheint das grobkörnige Salz. Die Kristalle glänzen wie die Schneekristalle, wenn die Sonne darauf scheint. „Süßes Salz“ nennt man das Salz von Cervia, weil es frei ist von sonst häufig bei Meersalz üblichen Bitterstoffen.


Glurns, die kleinste Stadt Italiens mit 700 Jahren Stadtgeschichte

Der Salzhandel zwischen Hall in Nordtirol und der Lombardei im Süden kam hier durch. Glurns war im Besitz der Salzstapelrechte. Glurns ist bis heute die einzige Stadt an der oberen Etsch, und das, obwohl es nur 850 Einwohner zählt. Nur die Hälfte lebt innerhalb der Stadtmauern.Wie hinter einer Dornröschenhecke schlummert der Ort heute innerhalb seiner vollständig erhaltenen Stadtbefestigung, bewacht von den drei Tortürmen mit dem Schludernser, Malser und Tauferer Tor. Nach der Hochzeit des Salzhandels wurden die alten Handwerksstuben zu Ställen umgebaut: aus der Handelsstadt wurde eine Bauernstadt.

Weiter: Doch die landwirtschaftlichen Erträge ernährten mehr schlecht als recht, wie ja auch der Mäuseprozess belegt. Seit Schlanders im Jahre 1931 Sitz des Landgerichtes wurde, ist die Blütezeit von Glurns vorbei. Zuvor noch hatten ihm gewaltige Überschwemmungen zugesetzt und im Jahre 1799 ein verheerender Angriff der Franzosen. Doch in den alten Häusern und Laubengängen, die zum großen Teil aus dem 16. Jahrhundert stammen, träumt der Ort weiter seinen Traum von längst vergangenen Zeiten. Zeiten, in denen unter den Lauben bedeutende Märkte abgehalten wurden und das Handwerk goldenen Boden hatte. Wer durch die alten Gassen schlendert und einen Blick hinter eines der großen Haustore riskiert, dem kommt es so vor, als öffne sich eine Tür in diese Vergangenheit. So gelangt man durch eines der Laubentore in die Gewerbegasse, die „via conciapelli“. Der Mühlbach „Lavot“ , von der Etsch hierher abgeleitet, war einst die Lebensader der Stadt. Das alte Mühlrad und die Geräte im Mühlengebäude sind noch alle vorhanden. Graffiti-bemalte Häuser mit den typischen schrägen Engadiner Fenster gar weisen noch weiter in die Vergangenheit zurück. Als Glurns noch Dorf war und zu Chur gehörte.


Ravenna – Göttin der Mosaikkunst im Windschatten der Adria

Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht stieg Ravenna aus dem Nichts empor, als hier um die Zeitenwende der Hafen von Classe angelegt wurde. Es wurde Zentrum des Weströmischen und später des Oströmi-schen Reiches. Heute liegt es abseits der großen Verkehrsadern und droht im Laufe der Jahrhunderte zu versinken. Jedes Jahr sieben Millimeter. Doch am Himmel der untergehenden Stadt funkeln die Sterne von einst weiter. Die Basilika San Vitale, das Mausoleum der Galla Placidia, das Baptisterium der Arianer, die Stadt in der Emilia Romagna vor den Toren der Adria bewahrt in ihren Mauern Schätze der Mosaikkunst

Weiter: in einer Fülle wie keine andere Stadt. Samstag, 16 Uhr. Aus der Basilika San Vitale kommt gerade eine Gruppe fein gekleideter Menschen. Zum Schluss ein Brautpaar. Eines von vielen, die sich Woche für Woche an diesem historischen Ort das Ja-Wort geben. Touristen warten mit ihren Fotoapparaten, bis der Eingang frei ist. San Vitale steht für die meisten Ravenna Besucher als erstes auf ihrem Programm. Die besondere Pracht der Mosaik-Kunstwerke aus ostgotischen Herrscherzeiten lockt. Dabei sollte man diese Welt der sprechenden Bilder in Ruhe auf sich wirken lassen. Die Geschichten aus der Bibel, die die kleinen Steine voller Leuchten erzählen: zum Beispiel Geschichten des Moses, die symbolreiche Christusdarstellung, die Verehrung, die sie dem damaligen Kaiser Justinian und seiner Gattin Theodora auf riesigen Wandteppichen aus Stein zukommen lassen. Goldglitzernd das Geschmeide und prunkvoll der Hofstaat des Kaiserpaares. Durch die Distanz zum Betrachter wirken die Gesichter lebendiger und die flächige Gestaltung bekommt Tiefe. Das Geheimnis der sprechenden Steine liegt aber auch in ihrem unterschiedlichen Höhenniveau. Es verhindert, dass sich Lichtstrahlen bündeln, lässt das Gesamtwerk erstrahlen. Dies ist typisch für die Mosaikkunst von Ravenna. Ebenso die Farbsymbolik. Nur göttlichen Gestalten oder dem Kaiser steht die Farbe Gold zu. Menschen und anderes Irdisches werden in den Farben der Erde – etwa grün oder braun – ausgestaltet.


Ein Dorf sonnt sich im Ruhm von Don Camillo und Peppone

Dunst liegt über der Po-Ebene und gibt dem Fluss und dem flachen Land etwas Mystisches. Eine filmreife Kulisse schon hier ... durchaus. Dann im Ort knallt die Sonne ganz unverschämt auf das Kopfsteinpflaster in den schmalen alten Gassen. Auf der Piazza Matteotti sticht sie durch die Sonnenschirme der Eisdiele. Das Eis aber ist so gut, dass man das in Kauf nimmt. Dennoch würde wegen dieser köstlichen Erfrischung wohl kaum irgend jemand nach Brescello kommen. Jenem Dorf in der Po-Ebene bei Parma, von dem es schon in einem Prospekt heißt, dass hier im Sommer den Menschen die Sonne unbarmherzig auf’s Gehirn brenne

Weiter: und alle verzweifelt seien. Welcher Ort sonst würde mit solchen Worten um Gäste werben? Damit kann nur Brescello landen. Ja, es kann sich sogar rühmen, damit in die Filmgeschichte Einzug gehalten zu haben. Denn eben jene Worte haben ihren Platz im Vorspann des Filmes „Don Camillo und Peppone“. Und der wurde in Brescello gedreht. Darum sind sie in Brescello in einem Prospekt zu finden, das von den Schauplätzen dieses Filmes handelt. Wer kennt sie nicht – die unglaublichen Episoden um die beiden Hitzköpfe: den streitbaren Geistlichen mit dem Pferdegrinsen und den scheinbar kompromisslos roten Bürgermeister. Die sich dauernd in den Haaren liegen und gegenseitig austricksen und dabei so unterschiedlich gar nicht sind. Im Jahre 1951 erkor ihr geistiger Schöpfer Giovanni Guareschi den unbekannten Ort Brescello als Schauplatz für das Filmgeschehen aus. Guareschi kannte Land und Leute der Region, war selber einer von ihnen. Ziemlich heiß ging es dann aber doch noch her, um die Drehgenehmigung von den Behörden in Reggio Emilia zu erhalten. Befürchtete man doch dort in dieser damals allzu roten Landschaft, das Ganze führe zu einer Blamage der Kommunisten. Als Regisseur fand man schließlich den Franzosen Julien Duvivier, der Fernandel gleich mitbrachte als Darsteller für Don Camillo. Die besten italienischen Regisseure hatten dankend abgelehnt. Wollten sie schließlich doch noch länger in diesem Lande leben. Für die filmische Umsetzung der Anekdoten von Don Camillo und Peppone aber brauchte Guareschi vor allem einen Ort wo sich die Kirche in Sichtweite des Rathauses befand. Da war Brescello goldrichtig.


Bertinoro – balcone della Emiglia Romagna

Wie an den Berg geklebt erscheint Bertinoro zwischen Forlì und Cesena. Unterhalb des Ortes erstrecken sich die Weinhänge. Es ist ein Ort wie geschaffen, um bei herrlichem Blick in die Weite der Landschaft den hier wachsenden Sangiovese und Albana zu verkosten. „Balkon der Romagna“ nennt man hier das Aussichtsplateau in der Nähe der Kathedrale, von dem aus man bis nach Rimini sieht. Ein Bummel durch den Ort trifft nur kurz auf ebene Wege. Steil strebt bald die Straße hinauf zur historischen Säule der Gastfreundschaft aus dem 13. Jahrhundert. Schon damals war der kleine Ort für seine besondere Gastfreundschaft bekannt.

Weiter: Ja, die Einwohner drängten sich geradezu darum, Gäste zu beherbergen. So sehr, dass das immer wieder in Streit ausartete. Da schaffte diese Säule Abhilfe. Sie befindet sich vor dem Palazzo Comunale und dem Torre Civica. Rundum sind Ringe angebracht, wo Besucher ihre Pferde anbinden konnten. Jeder Ring war einer Familie zugeordnet. Die jeweilige Familie durfte den Gast, der diesen Ring per Zufall auswählte, bei sich aufnehmen. Noch heute feiert man jedes Jahr im September ein Fest, das an diesen alten Brauch erinnert. Heute gehen selten Gäste aus Bertinoro wieder weg, ohne sich mit dem wunderbaren Wein hier ein zu decken. Wenn der kleine Ort manchmal als Hauptstadt der Weine der Romagna bezeichnet wird, so steht dabei die Qualität im Vordergrund. Wie hoch diese angesehen ist, drückt sich schon im Name des Ortes aus, der soviel heißt wie: „man sollte dich aus goldenem Becher trinken“ .(ber’ ti in oro)


Brisighella – direkt an der Grenze zur östlichen Toskana

Das Dorf im Hinterland der Adria sollte man im Sommer besuchen. Wenn unter der Aufsicht der Burg der Manfredis und des Uhrenturms der ganze Ort in den Kostümen längst vergangener Tage auf den Beinen ist, glaubt man sich im Mittelalter verlaufen. Da blüht für ein paar Wochen-enden das alte Handwerk in den winzigen Gassen wieder auf. Mittendrin aber hat die Kooperative der einheimischen Ölbauern ihre Stände im Freien aufgebaut. Da kann man die Spezialitäten probieren, auf die man hier so stolz ist und die weithin in Gourmetkreisen einen Namen haben. Das Öl, das aus den kleinen festen Oliven, die in den Hainen.

Weiter: um Brisighella wachsen, gepresst wird, ist für sein Aroma von grünen Tomaten und Minze über die Grenzen von Italien hinaus bekannt. So lassen sich die Besucher des mittelalterlichen Festes gerne ein paar Tropfen der grünen Köstlichkeit auf eine Weißbrotscheibe tröpfeln und genießen das ausgeprägt fruchtige Aroma während sie der Flachsweberin über die Schulter schauen. Gleich hinter dem Laden der Ölbauern-Kooperative steigt der Weg durch eine schmale Gasse über viele Stufen nach oben. An den alten Mauern ranken üppig rote und violette Blüten von Geranien, Bouganvillen und Clematis. Oben angelangt, passiert man das Schmuckstück des Ortes, die „Via degli Asini“, die Eselsstraße, die vom 12. Jahrhundert an der Stadtverteidigung diente. Von dort aus, wo durch Torbogen damals Feinde mit Steinen beworfen wurden, hat man einen wunderbaren Ausblick auf das mittelalterliche Fest. Die Fuhrleute, die im Mittelalter in den aneinandergebauten Häusern dieser Straße lebten, nutzten die überdachte Straße, um ihre Esel hier im Trockenen unter zu stellen.


Sechs-Hütten-Wanderung in der Drei Zinnen Region

Steinerne Baumstämme, Nadelspitzen, die aus dem Boden wachsen, eine Welt voller grob wülstiger, wetterschliffiger Kegel und Pyramiden mit exzentrischen Ausbuchtungen und Einkerbungen. Das sind die Dolomiten mit ihren kalkigen, brüchigen Wänden, die bis 1.000 m senkrecht in den Himmel streben. Wir starten unsere Wanderung bei der Auronzohütte auf 2.320 m Höhe. Ein Bus bringt uns mit einer Unmenge Gleichgesinnter von Innichen (San Candido) aus über den Misurina See zu diesem Ausgangspunkt, mitten in den Südtiroler Dolomiten oberhalb von Sexten im östlichsten Pustertal. Direkt vor die Tore der Drei Zinnen

Weiter: markantesten Steinsäulen mitten in diesem Urmeer erstarrter Lava. Der breite halbstündige Spazierweg zwischen Auronzo- und Lavaredohütte ist ausgefüllt mit einer durchgehenden bunten Menschenschlange. In Richtung Paternsattel (2.454 m) wird der Weg schmaler. Es wartet nun die erste Steigung und oben muss man verweilen, um den Rundblick auf sich wirken zu lassen. Die Menschenschlange hat sich ausgedünnt. Die ersten Klettersteige an der Kleinen Zinne (2.857 m) und dem Paternkofel schwingen sich kühn am Fels entlang. Bildschön in greifbarer Ferne gelegen, wartet auf erhöhtem Podest die Drei-Zinnen-Hütte (2.438 m) auf uns. Ihr wesentlich klangvollerer italienischer Name ist Rifugio Antonio Locatelli, benannt nach einem italienischen Offizier. Eine Stunde Gehzeit mit nur mäßigen Ab- und Aufstiegen bis zum legendären Kalendermotiv! Vor die dann folgende Büllelejoch Hütte auf 2.528 m Höhe ist einiger Schweiß gesetzt. Der Blick von hier lohnt sich dafür besonders: auf Elfer, Zwölfer, die Marmarole-Gruppe und den Sorapis im Süden, den Paternkofel und den Schwalbenkofel im Westen sowie den Haunold und die Dreischusterspitze im Nordwesten, alle treten sie zur großen Parade an. Vor der Hütte macht sich gerade eine Gruppe auf den Weg in Richtung Zsigmondy-Hütte. Ja, der Weg zur nächsten Hütte lockt! Ein richtiger Felsweg, der sich wie in die Landschaft gemeiselt höhenfreudig tummelt und dann 300 Meter bergab führt.


Auf Schneeschuhen unterwegs im Reich von König Laurin

Jungfräulich glitzert die weiche Schneedecke vor dem Panorama der Vajolettürme. Da - plötzlich hat es die Sonne geschafft - bricht zwischen dem Stabelert und der König Laurin Wand durch. Mit voller Kraft. Und genau in dem Augenblick, wo die Schneeschuhwanderer aus dem Wald auf die weite tiefverschneite Fläche treten. Uneben und schmal war der Pfad durch den schattigen Wald, den sie sich zuletzt gestapft hatten. Und nun diese unberührte Weite! Dahinter die steinerne Kulisse des Rosengartens mit ihren Felsabstürzen bis zu 600 Metern - wie von Geisterhand hin geschoben und mittendrin der pralle Sonnenball

Weiter: Die Vajolettürme, jene grandiosen Zacken, die eines der Wahrzeichen der Dolomiten sind bilden einen markanten Kontrast zur weichen Schneedecke. Legendär und ein Synonym für Zacken, Risse und Überhänge Namen wie Dülfer, Stabelert, Schroffenegger, Piaz. Sicher führt Martin Damian die Gruppe weiter. Steil hinauf über Schnee bedeckte Hänge. Wege gibt es längst keine mehr. Verlassene Hütten blinzeln hie und da unter ihrer weißen Kappe hervor. Der erfahrene und sehr ortskundige Wanderführer Damian kennt ihre Besitzer. Organisiert auch manchmal Einkehrmöglichkeiten auf längeren Touren. Aus welchem Personenkreis kommen eigentlich die Schneeschuhwanderer? Dazu Damian: „Es sind hier vor allem diejenigen, die im Sommer auch zum Wandern herkommen. Wer da kein Skifahrer ist, probiert im Winter das Schneeschuhwandern aus. Doch auch Skifahrer schieben gern mal einen Tag zwischendurch abseits des Pistenrummels ein.“


Sulden – höchstgelegenstes Dorf Südtirols

„Nach Sulden wollen Sie?“, fragt die alte Dame, die aus dem Nachbardorf Schlanders stammt, an der Bushaltestelle in Spondinig in Südtirol. „ Dort ist es aber kalt. Da war ich noch nie.“ Sollte etwa das 1.900 Meter hoch gelegene Bergsteiger- und Skifahrerdorf unter dem Ortler (3.905 m) selbst bei Einheimischen noch immer als das Sibirien Südtirols gelten? So nämlich bezeichnete es im Jahre 1.802 eine Innsbrucker Zeitung. Sulden, das sei dort, „wo die Bauern mit den Bären aus einer Schüssel essen und die Kinder auf diesen Tieren daherreiten“... meinte die gleiche Zeitung ein paar Zeilen weiter. Nun sollen auch heute wieder die Bären.

Weiter: im Anmarsch sein und ein Gemälde, das die beschriebene Szene von anno dazumal darstellt, befindet sich am Hotel zur Post in Sulden. Trotzdem ist heute alles anders. Vor allem im Winter. Denn der lockt die Freunde des weißen Sports herbei. Vierzig zum Teil mit modernsten Liftanlagen zu erreichende Pistenkilometer präsentieren sich vor dem eindrucksvollen Panorama. Von einer Höhe von 3.250 Metern kann man unterhalb der Schöntaufspitze hinabbrettern. Heute platzt der jenseits der Saison recht verlassen wirkende Ort im Winter aus allen Nähten. Und das verdankt er seiner Majestät, König Ortler. Dies bestätigt auch Fritz Reinstadler, der mit seinen 83 Jahren der älteste männliche Einwohner von Sulden ist. Er weiß nicht so genau, wie oft er auf dem Gipfel des Ortlers war. Der König der Berge, der höchste Gipfel der Ostalpen, ist schließlich der Hausberg seines Heimatortes.


Im Herbst unterwegs an den Wassern des Vinschgaus

Für den Kirchturm im Rechensee spielt die Zeit keine Rolle mehr. Sie blieb stehen, als das alte Graun im Stausee unterging. Was da den Über-querenden des Reschenpasses wie eine eigenartige Idylle anmutet, ist ein trauriges Kapitel im Geschichtsbuch der Bewohner jenes kleinen Ober-Vinschgauer Ortes, der seinen Namen wie eine grauenvolle Prophezeiung trug. Und der auch heute davon Zeugnis ablegt: Neugraun. Viele Bauern haben damals, im Jahre 1949 bei der staatlich angeordneten Überflutung ihrer Wiesen, Weiden und Höfe ihr Zuhause verloren. Insgesamt waren tausend Menschen von der Seestauung betroffen. Ein Stausee, ...

Weiter: ... der die Basis zur Stromgewinnung von 600 bis 800 Millionen Kilowatt Strom pro Jahr liefert. Das Element Wasser ist jedoch im Sonnen verwöhnten Vinschgau ansonsten hieß begehrt. Soll doch in dieser Region Südtirols ähnlich wenig Regen fallen wie auf Sizilien! Zum Glück aber sind zahlreiche Gletscher in der Nähe und Not macht bekanntlich erfinderisch. In diesem Falle sogar so erfinderisch, dass inzwischen auch hier Äpfel in riesigen Obsthainen gedeihen und kleine aber feine Weinbaugebiete sich mit Prämierungen schmücken können. Die Rede ist von den Waalen. Und von Menschen die bereits vor Jahrhunderten die Idee hatten, das begehrte Wasser, das der weißen Gipfelpracht entrann, nicht verkommen zu lassen. In zahlreichen Gräben wiesen sie dem belebenden Nass aus der Höhe den Weg in ihre Wiesen und Felder zu. Heute sind noch Fünfzig von den ehemals 235 Bewässerungskanälen in Betrieb. Manche rinnen durch ausgehöhlte Baumstämme, wie jener im entlegenen Martelltal. Andere springen übermütig durch satte Wiesen mit bunten Bergblumen. Einer der längsten unter ihnen ist mit zehn Kilometern der Schnalser Waal. Er bezieht sein Wasser aus dem Schnalstal. Bei einer Wanderung entlang dieses über 500 Jahre alten Wasserweges kann man ein gutes Stück Vinschgau erleben - eingerahmt von den alten Gemäuern Kastelbell und Juval.


Schloss Juval – von Reinhold Messner vor dem Verfall gerettet

Mitten in der Berg- und Weinlandschaft Südtirols thront da zunächst das Schloss Juval ( 852 m) hoch über den Apfelhainen des Vinschgaus am Eingang zum Schnalstal. In gut einer halben Stunde gelangt man recht kurvenreich von Naturns aus zum Schloss. Behutsam die Eigenart des alten Gemäuers respektierend machte Mesner er wieder ein Juwel aus Juval, gab hier seiner tibetischen Kunstsammlung ein zu Hause. Der „Hügel Juval“ wie Messner die Anhöhe seines Domizils zu nennen pflegt, ist eine kleine abgeschiedene Welt für sich. Und vom alten Turm aus kann man hinunter sehen bis Naturns. Man überblickt die Höfe, ...

Weiter: ... die dem Schloss zu Füßen liegen. Den Biobauernhof zum Beispiel. Auch das große Wasserspeicherbecken ‚Tschött’ genannt, sieht man. Das füllt sich auf aus dem Schnalser Waal. Eine kleine Obstplantage gehört auch zum „Hügel“ und drei Hektar Weinreben werden angebaut durch den Pächter Martin Aurich. Prall hängen die Trauben in den Spalieren an den steilen Hängen mit bis zu 250 Meter Höhenunterschied. „In Süd-Südostlage reift der Wein hier auf Juval unter ganz besonders günstigen Bedingungen heran. Hohe Tagestemperaturen, kühle Nächte und beständige Luftbewegung wirken sich sehr positiv aus“, erläutert der Bergsteiger und Schlossherr.

Sowohl sein Obsthain als auch die Weinreben beziehen Wasser aus dem Wasserspeicherbecken. Wie das mit der Bewässerung funktioniert, erklärt Gisela Aurich: „ Im Anbaugebiet befinden sich auf einer Höhe von 40 Zentimeter Schläuche. Jede Rebe hat einen Tropfer. So kann die Wassermenge, die aus dem Schnalser Waal gespeist wird, genau reguliert werden. Bei extremer Trockenheit wässern wir ein- bis zweimal wöchentlich für einige Stunden.“ Besonders der Riesling und der Blauburgunder ‚Castel Juval’ genießen einen ausgezeichneten Ruf.


Entlang des Waalweges – den rauschenden Wassern nach

Wer seine Wanderung bei Juval beginnt, sieht ihn hier zum ersten Mal. Und kann zugleich auch die Waalschelle neben dem kleinen Waalerhaus nicht überhören. Die erklingt jedoch nur, wenn das Wasser tatsächlich rinnt. Ansonsten muss der Waaler ran und die Zuflüsse frei schaufeln. Für ihn ist der schmale Pfad entlang des Waales angelegt, der zugleich so einladend für Wanderer ist. Dem strecken sich im Herbst auch die prallen Apfelfrüchte unterwegs entgegen. Auch sie bekommen ihr geregeltes Maß an Nass angesprüht. Weit fällt der Blick ins Land, herunter auf die kleinen Ortschaften, wie Inseln zwischen den riesigen Obstplantagen.

Weiter: Bald schon wird weitschweifende Aussicht mit schattigem Wald vertauscht. Der sprudelnde Waal taucht unter einer kleinen Brücke hindurch. Eine Informationstafel erzählt von Biothopen in Südtirol. Von Steppenpflanzen, die hier gedeihen sowie von osteuropäischen und mediterranen Pflanzen. Und immer wieder erfrischendes glucksendes Nass, aus dem dann auch mal Ziegen am Wege einen gierigen Schluck nehmen. Steil führt der Weg hinab ins „Paradies“, wo einem beim Essen die roten und gelben Trauben von der Pergola beinahe bis in den Mund hinein wachsen. Schließlich bei Kastelbell geniest man wiederum herrliche Blicke durch Wein – und Obstspaliere auf das frisch renovierte alte Gemäuer. Unterwegs sein an den Wassern des Vinschgaus heißt, eintauchen in Geschichte und Kultur, dem Strom der Zeit entrinnen.


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